Nutzungskonzept der Herner 131

Posted: Juni 9th, 2017 | Author: | Filed under: General | Kommentare deaktiviert für Nutzungskonzept der Herner 131

Liebe (befreundete) Menschen, liebe Supporter*Innen,

Vielleicht fragt ihr euch, was wir, die Aktivisten*Innen der Herner Straße 131, eigentlich mit dem Haus vor haben. Heute möchten wir euch auch hier im World Wide Web unser vorläufiges Nutzungskonzept vorstellen. Das Haus besteht neben Keller und Dachboden aus drei Etagen. An dem Haus, wie auch aus dem anbeigefügten Grundrissen ersichtlich wird, schließt ein Hof samt Garten an.

Grundsätzlich soll dieses Haus mit seiner gesamten Infrastrastruktur als Ort der Begegnung und des gegenseitigen Austausches für Menschen der verschiedensten Art sein. Für Nachbarn, für Queers, für Geflüchtete, für Aktivist*Innen und alle anderen interessierten Menschen, die gemeinsam die Frage erörtern möchten, wie ein gutes Miteinander möglich ist, im Kleinen wie im Großen. Es soll Platz dafür geschaffen werden, dass Menschen sich hier selbstverwaltet verwirklichen können, jenseits jeglichen kapitalistischen Konsumzwangs. Dabei verstehen wir uns dezidiert nicht als ein rein linkes Projekt, sondern möchten uns für weite Gesellschaftsteile öffnen.

Das Ladenlokal ist das eigentliche Herzstück des Hauses. Dieses kann für Veranstaltungen wie Vorträge, Lesungen, Konzerte und die ein oder andere kleinere Party genutzt werden. Hierbei wird selbstverständlich weiterhin Rücksicht auf die Nachbarschaft genommen werden. Auch soll hier Raum sein für alternierende Austellungen. Vorstellbar ist auch das regelmäßige Angebot von Hausaufgabenbetreuung, sowie Nachhilfe für Schüler*Innen. Desweiteren gibt es die Überlegungen, dauerhaft einen Kost-Nix-Laden wie eine Kost-Wat-Ecke vornehmlich mit veganen Produkten zu installieren. Gleichzeitig soll das Lokal aber auch als regelmäßiger Treffpunkt für Initiativen und Gruppen sein, die sich gesellschaftlich engagieren oder engagieren möchten, vielleicht sogar in Form verschiedener (DIY-) Workshops.

Die betonierte Fläche des Hofes soll langfristig zum großen Teil aufgebrochen, erschlossen und dem bisherigen Garten als weitere Nutzfläche angeschlossen werden. Sowohl Blumen für das Auge, als auch Gemüse und Kräuter für den Mund sollen nachhaltig angepflanzt werden. Zusätzlich ist es gewünscht, eine offene Küche einzurichten: in Form eines Grillplatzes, Lehmofens oder auch einer Feuerschale. Daneben, um den vorhandenen Raum effektiv zu nutzen, ist es angestrebt, in Zukunft sowohl vertical gardening zu betreiben wie auch Hochbeete anzulegen. Als kleines I-Tüpfelchen dieser einladenden Gestaltung wird hier ein Klettergerüst installiert und Kinderspielzeug ausgegeben, sofern wir weiterhin hier bleiben können. Selbstverständlich wird dann eine gemütliche Sitzecke nicht fehlen, genauso wenig wie Fahrradständer.

Der Keller umfasst insgesamt 7 Parzellen. Diese sollen u.a. als Werkstätten, Fitness- Lager- Probe- und Kunsträume dienen. Auch eine Waschküche soll hier ihren Platz finden.

Die erste Etage soll gesplittet werden. In der linken Wohnung sollen Gemeinschaftsräume installiert werden. Von hier aus sollen in Form eines Büros die hausinternen Prozesse gesteuert und verwaltet werden, wie auch zur allgemeinen Nutzung ein offener PC/Laptop bereitgesteltt werden. Daneben gibt es schon die Küche, die sich hervorragend für die Vorbereitung von KüfA‘s (KüfA = Küche für Alle) eignet, grundsätzlich aber offen ist für alle Menschen, die sich im Haus aufhalten oder künftig aufhalten möchten. Anschließend gibt es noch ein großen Raum, der genau wie das Ladenlokal von den verschiedensten Gruppen/Initiativen genutzt werden darf, genauso wie von den Bewohnenden. Grundsätzlich soll hier eine „Wohnzimmeratmosphäre“ für alle entstehen. Die rechte Wohnung ist als Notunterkunft für Menschen in prekären Wohnsituation bestimmt worden.

Die Wohnungen der zweiten und dritten Etage werden explizit als Raum für Wohngemeinschaften unter der Leitidee vorbehalten, sozialen Wohnraum zu schaffen. Über die Frage WER hier einzieht entscheiden immer die dann schon hier wohnenden Menschen. Das Grundprinzip hierbei ist vor allem eine größtmöglichste Heteregonität herzustellen unter dem gleichzeitigem Motto: miteinander Leben und Lernen in Eigenverantwortung. Hierbei wird vor allem aus einer nichtkapitalistischen Perspektive danach gefragt, welche Ressourcen bringt ein(e) potentielle(r) neue(r) Bewohner*In mit. Es ist gewünscht, dass sich jede(r) Bewohner*In nach Fähigkeit, Bedürfnis und eigenen Möglichkeiten einbringt. Eine Zweckgemeinschaft soll und wird hier nicht entstehen. Dies alles dient einzig dem Ziel, ein Leben den eigenen Wünschen und Vorstellungen nach zu realisieren. Bevorzugt werden hierbei vor allem Menschen aus den sogenannten „schwachen“ Gruppen wie u.a. Geflüchtete, Queers, Wohnungslose, Geringverdiener*Innen, Aktivist*Innen. Sexisten, Homophobe, Rassisten wie Rechtsradikale sind hier von vorneherein nicht erwünscht. Dieses Haus soll, solange wir hier sind, ein von Diskriminerung freier Ort sein, der bezahlbaren Wohnraum schafft. Auch für Familien mit Kindern.

Nachdem der Dachboden gedämmt und isoliert worden sein wird, wie auch ein Trockenboden verlegt worden ist, kann dieser u.a. als offenes Atelier, Nährraum und vielleicht sogar für Akkustikkonzerte genutzt werden. Der sich ebenfalls hier befindliche Telekom-Mast wird uns, sofern wir hier bleiben und uns legal aufhalten dürfen, von finanziellem Nutzen sein.

Wir sind der festen Überzeugung, dass dieses Nutzungskonzept einer Vielzahl von Menschen neue Perspektiven aufzeigt und wir als Besetzer*Innen in einem nicht unwesentlichen Anteil der Gesellschaft im Allgemeinen und den Menschen in der Umgebung der Herner Straße 131 im Konkreten bereits jetzt eine Reihe von Vorteilen erbringen. Wir wehren uns entschieden mit allen uns zur Verfügung stehenden friedlichen Mitteln in Zeiten der allgemeinen Wohnraumknappheit, Mietteuerungen und Gentrifizierung dagegen, sowohl dieses Haus weiterhin vergammeln zu lassen, als auch es etwaigen Mietspekulant*Innen zu überlasssen.

Die Aktivist*Innen/Besetzer*Innen der Herner Straße 131


Comments are closed.